
Lebensmittelherstellung
Teil von Was müssen Hersteller beim Lebensmittelhandel beachten?
Lebensmittelhandel mit Discountern: Anforderungen an Lieferanten
Lebensmittelhandel Discounter: Welche Anforderungen Aldi, Lidl, Netto und Penny an Lieferanten stellen, von Verpackung über Logistikfenster bis 60 Tage netto.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Discounter listen zentral einzuständig sind unter anderem die Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG und die Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG.
- Verpackung, Kennzeichnung, Palettenaufbau und Restlaufzeit folgen verbindlichen Lieferantenhandbüchern.
- Marktüblich sind 60 Tage netto Zahlungsziel und 5 Prozent Rückvergütung auf den Jahresumsatz.
- Logistikfenster, Avisierung und Anlieferquote werden je Lager oder Filiale festgelegt.
- Ohne Zertifikat nach IFS Food oder BRCGS und lückenlose Rückverfolgbarkeit gibt es in der Regel keine Listung.
Wer die Sortimentsentscheidung trifft
Bei Discountern entscheidet der zentrale Einkauf, nicht die einzelne Filiale. Für Aldi Nord verhandelt die Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG mit Sitz in Essen. Aldi Süd steuert den Einkauf über eine eigene Gesellschaft am Standort Mülheim an der Ruhr. Lidl bündelt Einkauf und Lieferantenbetreuung in der Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG in Neckarsulm.
Netto Marken-Discount gehört zur Edeka-Gruppe und kauft von Maxhütte-Haidhof aus ein. Penny ist Teil der Rewe Group mit Einkaufssteuerung in Köln. Für Lieferanten bedeutet das einen Ansprechpartner, einen Listungsprozess und einen Verhandlungspartner mit hoher Marktmacht.
Die konkreten Vorgaben stehen in Lieferantenhandbüchern und auf den Beschaffungsportalen. Aldi Süd fasst seine Anforderungen an Lieferanten in einem eigenen Bereich für Lieferanten zusammen.
Verpackung, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit
Discounter verkaufen Ware direkt aus der Umverpackung oder der Rolle. Maße und Material sind deshalb eng definiert. Üblich sind Europaletten mit 1200 mal 800 Millimetern Grundfläche, eine begrenzte Stapelhöhe und eine eindeutige GTIN auf jeder Handelseinheit.
| Bereich | Typische Vorgabe |
|---|---|
| Verpackung | stabile Umverpackung, feste Palettenmaße, definierte Stapelhöhe |
| Kennzeichnung | Pflichtangaben, Allergene, Nährwerte, GTIN je Handelseinheit |
| Haltbarkeit | Mindestrestlaufzeit bei Anlieferung, oft zwei Drittel des MHD |
| Hygiene | HACCP-Konzept, Betriebszulassung, Nachweis der Beherrschung |
| Rückverfolgbarkeit | Chargenbezug für eingehende und ausgehende Ware |
Die rechtlichen Mindestanforderungen sind europäisch geregelt. Die Verordnung (EG) Nr. 852/2004 verlangt Hygienekonzepte und zugelassene Betriebe, die Verordnung (EG) Nr. 178/2002 fordert die Rückverfolgbarkeit über alle Stufen. Einen Überblick über die rechtlichen Grundlagen gibt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.
Zusätzlich verlangen die Händler ein Zertifikat nach einem GFSI-anerkannten Standard, meist IFS Food oder BRCGS. Das Audit findet im Werk statt und wird regelmäßig wiederholt.
Logistikfenster und Anlieferung
Discounter arbeiten mit engen Zeitfenstern und hoher Liefertreue. Die Anlieferung erfolgt in der Regel an Distributionszentren, nicht an einzelne Filialen. Zeitfenster, Avisierung, Toleranzen und Anlieferquote werden vertraglich fixiert.
Paletten und Rollcontainer werden getauscht. Für Retouren, Nachlieferungen und den Umgang mit fehlerhafter Ware gibt es feste Regeln. Planen Sie Reservekapazität ein, damit ein ausgefallener Transport nicht sofort zu Fehlmengen führt.
Zahlungsziel, Rückvergütung und Liquidität
Konditionen sind Verhandlungssache, folgen aber erkennbaren Mustern. Häufig verlangen Discounter ein Zahlungsziel von 60 Tagen netto ab Rechnungsdatum. Dazu kommen Rückvergütungen von oft 5 Prozent auf den Jahresumsatz sowie Boni und Werbekostenzuschüsse.
Beispielrechnung: Bei 1.000.000 Euro Jahresumsatz und 5 Prozent Rückvergütung zahlt der Lieferant 50.000 Euro zurück. Die Verrechnung erfolgt meist am Jahresende oder gegen offene Rechnungen.
Rechnen Sie die Wirkung auf die Liquidität vor der Zusage. 60 Tage Zahlungsziel bedeuten, dass Ware und Produktion rund zwei Monate vorfinanziert werden müssen. Prüfen Sie, ob die Marge diese Belastung trägt.
Vom Erstkontakt zur Listung
- Produktdaten, Zertifikate und Kapazitäten über das Lieferantenportal des Händlers einreichen.
- Erstbemusterung und Prüfung von Verpackung, Kennzeichnung und Haltbarkeit durch den Einkauf begleiten.
- Audit nach IFS Food oder BRCGS bestehen und Nachweise aktuell halten.
- Konditionen verhandelnPreise, 60 Tage netto, Rückvergütung, Logistikfenster.
- Erstauftrag, Anlaufphase und regelmäßige Lieferantenbewertung durchlaufen.
Häufige Fragen
Welche Zahlungsbedingungen verlangen Discounter?
Üblich sind 60 Tage netto ab Rechnungsdatum, teils mit Skonto bei schnellerer Zahlung. Die genauen Fristen stehen im Liefervertrag.
Was bedeutet die Rückvergütung von 5 Prozent?
Der Lieferant gewährt dem Händler einen nachträglichen Nachlass auf den Jahresumsatz. Bei 1.000.000 Euro Umsatz sind das 50.000 Euro.
Welche Zertifikate sind Pflicht?
Die meisten Discounter verlangen ein Zertifikat nach einem GFSI-anerkannten Standard, etwa IFS Food oder BRCGS. Ergänzend prüfen sie HACCP und Betriebszulassung.
Wer ist Vertragspartner bei Aldi und Lidl?
Bei Aldi Nord die Aldi Einkauf GmbH & Co. oHG, bei Lidl die Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG. Aldi Süd, Netto und Penny haben eigene Einkaufsgesellschaften.
Wie läuft die Listung ab?
In Stufen: Erstkontakt, Bemusterung, Audit, Konditionsverhandlung und Anlaufphase. Die Dauer hängt von Kategorie und Prüftiefe ab.



