Karte zur Lieferantenbewertung mit Score-Modell, Gewichtung und Lieferantenklassen
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Bewertung von Zutatenlieferanten: Kriterien und Score-Modelle

Bewertung Zutatenlieferanten: Kriterien, Gewichtungen und Mindestpunktzahlen für Score-Modelle mit Beispielrechnung und Software zur Lieferantenbewertung.

Das Wichtigste auf einen Blick

Gewichtung im Score-Modell

  • Qualität40
  • Logistik30
  • Preis30

Kriterien, die in jedes Score-Modell gehören

Produktsicherheit steht an erster Stelle und lässt sich nicht durch gute Leistungen in anderen Feldern ausgleichen. Bewertet werden das HACCP-Konzept, die Rückverfolgbarkeit jeder Charge und die Ergebnisse amtlicher Kontrollen. Die Verordnung (EG) Nr. 178/2002 zur Rückverfolgbarkeit verlangt, dass jede Zutat bis zum Vorlieferanten zurückverfolgt werden kann.

Hygiene und Betriebszulassung regelt die Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene. Fehlt einem Zutatenlieferanten die Zulassung oder sind Reinigungspläne nicht dokumentiert, erhält er im Block Produktsicherheit null Punkte. Preis und Lieferzeit werden in diesem Fall nicht mehr gewertet.

Logistik bewertet Termintreue, Vollständigkeit der Lieferungen, Temperaturführung und Verpackungszustand. Ausgewertet wird jede Lieferung, üblich ist ein Zeitraum von zwölf Monaten. Ein Lieferant mit fünf Fehllieferungen in zwölf Monaten erreicht in diesem Block kaum die volle Punktzahl.

Preisstabilität meint nicht den niedrigsten Preis, sondern die Abweichung von vereinbarten Konditionen. Erfasst werden Preisänderungen je Quartal, die Einhaltung von Staffelpreisen und die Reaktionszeit auf Angebotsanfragen. Ein Lieferant mit drei unangekündigten Preiserhöhungen innerhalb eines Jahres verliert Punkte, selbst wenn sein Grundpreis günstig ist.

Gewichtung und Rechenbeispiel

Die verbreitete Gewichtung lautet Qualität 40 Prozent, Logistik 30 Prozent, Preis 30 Prozent. Jedes Kriterium wird auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet, mit dem Gewicht multipliziert und anschließend summiert. Die folgende Beispielrechnung zeigt das Vorgehen für einen Zutatenlieferanten.

KriteriumGewichtungErreichter WertGewichteter Beitrag
Qualität und Produktsicherheit40 Prozent7530,0
Logistik30 Prozent9027,0
Preis30 Prozent8024,0
Gesamt100 Prozent81,0

Beispielrechnung: Der Lieferant erreicht 30,0 plus 27,0 plus 24,0, also 81,0 Punkte. Damit überschreitet er die Schwelle von 80 Punkten und wird als A-Lieferant geführt.

Mindestpunktzahlen und Lieferantenklassen

Die Klassengrenzen legt jedes Unternehmen selbst fest, verbreitet sind drei Stufen. A-Lieferanten erreichen mindestens 80 von 100 Punkten und erhalten Rahmenverträge mit längeren Laufzeiten. B-Lieferanten liegen zwischen 60 und 79 Punkten; sie bleiben im Sortiment, werden aber halbjährlich nachbewertet. C-Lieferanten unterschreiten 60 Punkte und erhalten eine Auflage mit Frist, etwa einen Maßnahmenplan innerhalb von 30 Tagen.

Zusätzlich gelten Ausschlussregeln. Ein nicht bestandenes Audit, ein Rückruf mit Bezug auf die gelieferte Zutat oder eine fehlende Betriebszulassung führen zur sofortigen C-Einstufung, unabhängig von der erreichten Punktzahl.

IFS Food, QS-System und Software

IFS Food bewertet Betriebe mit einem Punktesystem und kennt Knock-out-Kriterien, bei deren Verletzung die Zertifizierung verweigert wird. Das QS-System der Qualität und Sicherheit GmbH in Bonn prüft mehrere Stufen der Wertschöpfungskette, vor allem bei Fleisch, Obst, Gemüse und Futtermitteln. Beide Systeme liefern Prüfraster, die sich in ein eigenes Score-Modell übertragen lassen.

Handelsunternehmen veröffentlichen eigene Anforderungen. Aldi Süd verlangt von Lieferanten unter anderem Zertifizierungen, Audits und Angaben zur Rückverfolgbarkeit; die Anforderungen an Lieferanten im Discountbereich sind auf der Unternehmensseite dokumentiert.

Für die laufende Auswertung gibt es Software. IntegrityNext für die Bewertung von Lieferanten und Lieferketten bündelt Nachhaltigkeits- und Compliance-Daten in einem Portal und verknüpft sie mit dem Einkauf.

Bewertungssystem einführen: fünf Schritte

Bewertungssystem einführen

  1. Kriterien, Gewichte und Klassengrenzen schriftlich festlegen, bevor der erste Lieferant bewertet wird.
  2. Datenquellen bestimmen, etwa Warenwirtschaft, Reklamationsliste und Auditberichte.
  3. Punkte je Lieferung erfassen und quartalsweise auswerten.
  4. Maßnahmen je Klasse festlegen und den Lieferanten schriftlich mitteilen.
  5. Gewichte und Schwellen jährlich prüfen und bei Bedarf anpassen.

Häufige Fragen

Wie viele Kriterien sollte ein Score-Modell enthalten?

Drei bis fünf Hauptkriterien genügen. Mehr Kriterien erhöhen den Erfassungsaufwand, ohne die Rangfolge der Lieferanten wesentlich zu verändern. Jedes Hauptkriterium wird in Unterkriterien mit einer Skala von 0 bis 100 zerlegt.

Ab welcher Punktzahl ist ein Lieferant A-Lieferant?

Üblich sind 80 von 100 Punkten. Dieser Wert ist eine betriebliche Festlegung und keine Vorgabe aus der Verordnung. Entscheidend ist, dass die Schwelle vor der ersten Bewertung fixiert wird.

Welche Gewichtung ist üblich?

Qualität 40 Prozent, Logistik 30 Prozent, Preis 30 Prozent. Bei leicht verderblichen Zutaten lässt sich Qualität auf 50 Prozent anheben und der Preis auf 20 Prozent absenken.

Wie oft sollte bewertet werden?

A-Lieferanten jährlich, B-Lieferanten halbjährlich, C-Lieferanten quartalsweise. Anlässe außerhalb des Zyklus sind Rückrufe, Fehllieferungen und ablaufende Zertifikate.

Ersetzt ein Score-Modell das Audit vor Ort?

Nein. Kennzahlen prüfen die laufende Leistung, nicht die Produktionsbedingungen. Die Produktsicherheit vor Ort kontrollieren Auditoren nach IFS Food oder vergleichbaren Standards.

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